Lehrstuhl für Organisation

Mission des Lehrstuhls für Organisation

 

  1. Wir begreifen die Betriebswirtschaftslehre und damit auch deren Teildisziplin "Organisation" als eine Realwissenschaft, deren Ziel es ist, Erkenntnisse zu gewinnen und weiterzugeben, die den verantwortlichen Akteuren der Unternehmens- und Verwaltungspraxis helfen, zielführend zu handeln. Aus diesem übergeordneten Grundsatz leiten sich unsere spezifischeren, nachfolgend vorgestellten Grundsätze ab. 
  2. Wir streben danach, unsere Forschungstätigkeit theoriegeleitet zu vollziehen. Theorien sind für uns nicht "unübersichtliche, weltfremde Hirngespinste", sondern übergeordnete, in sich konsistente und auf der Basis der menschlichen Vernunft überprüfbare Aussagensysteme, die unterschiedliche Erkenntnisbereiche miteinander verbinden, für den jeweils untersuchten Organisationstyp relevant sind und Wissenschaftlern ermöglichen, problembezogene Erklärungen, Prognosen und Gestaltungsvorschläge abzuleiten. Theorien sind Hilfsmittel der Erkenntnisgewinnung - mehr nicht. 
  3. Wir bevorzugen auch deshalb eine theoriegeleitete Vorgehensweise, weil wir wissen, dass Theorien länger gültig sind als Methoden, Techniken und Faktenwissen. 
  4. Wir weisen empirischen Untersuchungen in unserer Forschungsarbeit eine wichtige Rolle zu, da sie uns helfen, Aufschluss über die Organisations- bzw. Managementpraktiken der realen Welt zu gewinnen. Wir streben nach einer theoriegeleiteten Form empirischer Forschung, weil nur so gewährleistet werden kann, dass die Ergebnisse unserer im Untersuchungsfeld vollzogenen Analysen mehr sind als zufällige Erscheinungen. 
  5. Wir erkennen, dass es sich bei quantitativen und qualitativen Formen der empirischen Forschung um grundsätzlich gleichwertige Alternativen handelt. Keine dieser beiden Zugangsformen ist generell überlegen; die Wahl zwischen ihnen werden wir daher stets im Einzelfall unter Berücksichtigung der jeweiligen Forschungsfrage, des hierauf bezogenen Wissensbestands sowie der im Untersuchungsfeld gegebenen Verhältnisse klären.
  6. Obwohl wir nach einer ausgeprägten Praxisorientierung streben, sind wir uns bewusst, dass Wissenschaftler eine kritische Distanz zur Praxis wahren müssen. Wenn wir uns im Rahmen unseres ersten Grundsatzes zu einer Unterstützung des zielführenden Handelns der Praxis bekannt haben, dann kann dies also nicht bedeuten, dass wir Erklärungen, Prognosen und Gestaltungsvorschläge entwickeln wollen, welche die Ziele einzelner Interessengruppen zu Lasten der Ziele anderer Interessengruppen bevorzugen. Dieses Selbstverständnis impliziert, dass wir an der Entwicklung von Gestaltungsvorschlägen mitwirken wollen, welche die Handlungsfähigkeit von Unternehmen und Verwaltungen nicht nur kurzfristig, sondern nachhaltig fördern. 
  7. Wir scheuen uns nicht davor, die in der Realität vorgefundenen Handlungsmuster zu bewerten. Wir wollen jedoch versuchen, diese Bewertungen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Interessenpositionen vorzunehmen und aufzuzeigen, auf der Basis welcher Interessenposition welche Bewertung erfolgt ist.
  8. Das übergeordnete Ziel unserer Lehrtätigkeit besteht darin, die Entscheidungs- und Handlungskompetenzen der Studierenden zu steigern. Wir werden uns daher bemühen, praxisorientierte Lehr- und Lernmethoden (z. B. Praxisbeispiele, Fallstudienübungen und -seminare) in unser Lehrprogramm zu integrieren. Trotz dieser Orientierung muss es uns jedoch darum gehen, unsere die Forschung betreffenden Grundsätze (Theorieorientierung, empirische Stützung von Aussagen) auch im Bereich der Lehre umzusetzen.
  9. Wir wissen, dass sich dieses Ziel der Steigerung von Entscheidungs- und Handlungskompetenzen nur dann erreichen lässt, wenn die Studierenden zum Selbststudium unter Hinzuziehung von Fachliteratur bereit sind. Ein Auswendiglernen von auf Vorlesungsfolien dokumentierten Gedankenfragmenten reicht angesichts der im Organisationszusammenhang vielfach gegebenen Unterschiedlichkeit von Auffassungen nicht aus.